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Mittwoch, den 09. Juni 2010 um 09:32 Uhr

"Tempus fugit" erhält für ein neues Stück zur Berufsfindung 80 000 Euro aus Stuttgart.

Nur_Mut

„Nur Mut“ war mehrere Jahre ein Markenzeichen des Theaters „Tempus fugit“. Jetzt finanziert das Land ein Folgeprojekt zur Berufsfindung von Jugendlichen. Foto: Quartier

LÖRRACH (BZ/dam). Das freie Theater "Tempus fugit" kommt wieder in den Genuss einer Förderung durch das Wirtschaftsministerium. Die frühere Unterstützung des Landes für die Produktion "Nur Mut", eines erfolgreichen Stücks zur Berufsfindung, war mehrere Jahre ein Grundstock der Finanzierung des Theaters. Nun gibt das Wirtschaftsministerium über einen Zeitraum von zwei Jahren 80 000 Euro für ein Nachfolgeprojekt mit dem Titel "Nur Mut aktiv: Ja, ich kann!".

Wie das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gestern mitteilte, werden die 80 000 Euro aus Mitteln der Zukunftsoffensive III bereitgestellt. Ziel ist auch bei diesem Projekt, einen Impuls für die ernsthafte Auseinandersetzung von Jugendlichen mit ihrer Berufswahl zu geben. "Ziel ist es, die Zahl der Berufsausbildungsabbrecher zu senken, indem sich die Jugendlichen aktiv mit der anstehenden Berufswahl auseinandersetzen, sich auf ihre eigenen Fähigkeiten besinnen und motiviert werden, ihren eigenen Weg zu finden", wird Minister Ernst Pfister in der Pressemitteilung zitiert.

Das Projekt startet im Juli und läuft voraussichtlich bis Ende 2011. Das Projekt findet zunächst in Zusammenarbeit mit den Jugendagenturen Schönau, Todtnau, Schopfheim, Steinen sowie dem Kreisjugendreferat und der Vermittlung Jugend Berufshilfe gGmbH Lörrach statt. "Damit können sich Jugendliche unterschiedlicher schulischer und sozialer Herkunft begegnen und sich mit Berufsplanung, beruflichen Zielen, Erwartungshaltungen und Ideen auseinandersetzen", so Ernst Pfister.

"Nur Mut aktiv: Ja, ich kann!" knüpft an die frühere Produktion an, geht aber noch einige Schritte weiter. "Nur Mut" hatte im Stile eines Forumtheaters zunächst Szenen zur Berufswahl vorgespielt und dem jungen Publikum gleichsam zur Diskussion gestellt. In einer weiteren Runde wurden auf Vorschlag der Jugendlichen Verhaltensweisen der Figuren auf der Bühne verändert. Mit dem Durchspielen der modifizierten Szenen konnte den Jugendlichen begreiflich gemacht werden, was sie mit einer Veränderung ihres Verhaltens oder mit der Umsetzung ihrer Vorstellungen erreichen können.

Beim neuen Projekt wird mit einer ähnlichen Eingangsszene zunächst nur ein Impuls gesetzt. In einer anschließenden, etwa vierstündigen theaterpädagogischen Arbeit befassen sich die Jugendlichen dann in Gruppen mit ihren individuellen Problemen bei der Berufswahl. Dabei steigen sie selbst in ein Rollenspiel ein, das dann abschließend in einer großen Runde zur Diskussion gestellt wird. "Wir brauchen dafür die Erfahrungen von ’Nur Mut’", sagt Theaterleiterin Karin Maßen. Allerdings geht die begleitende Arbeit mehr in die Tiefe, weil die Zuschauer sich zu einem früheren Zeitraum einbringen und weil intensiver mit ihren gearbeitet wird.

Bestandteil der Förderung ist die Aufgabe, ein Konzept zu entwickeln, mit denen Lehrer oder Sozialarbeiter in ihren Klassen oder Jugendgruppen das Projekt eigenständig umsetzen können. Dafür soll eine Arbeitsmappe im Internet bereit gestellt werden. "Das ist eine große Herausforderung", sagte Karin Maßen gestern im Gespräch mit der BZ. Das Ensemble geht dabei in Schritten vor. Nach einer ersten Reihe von Aufführungen soll "Nur Mut aktiv: Ja, ich kann!" gleich von externen Betreuern angeleitet werden. "Tempus fugit" kommt dann zur Nachbereitung. Die Erfahrungen daraus werden dann wiederum in die Anleitung für die nächsten Projekte einfließen. Am Ende soll ein Strickmuster stehen, mit dem überall ohne Zutun von "Tempus fugit" Berufsfindungstheater gespielt wird.

Mit den 80000 Euro muss "Tempus fugit" im wesentlichen die Honorare der 12 erforderlichen Mitarbeiter bezahlen. Etwa 20000 bis 30000 Euro werden als ein Beitrag zur Finanzierung der eigenen Infrastruktur übrig bleiben, schätzt Thorsten Blank, der bei "Tempus fugit" für die Verwaltung zuständig ist.

Quelle: Badische Zeitung

 

 

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