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Dem 19. Steinener Spieldorf am Höllbach geht eine Sage voraus / 170 Kinder basteln in Schlächtenhaus an Wombelhausen / Noch bis zum 13. August.

STEINEN-SCHLÄCHTENHAUS. "Schooookolade, die essen wir alle so gerne" singt die regenfest eingepackte Kinderschar am gestrigen Dienstag morgen am idyllischen Höllbach zum Gitarrenspiel von Jugendpfleger Helmut Kolibaba. Das Spieldorf 2010 ist kaum einen Tag alt, die Stimmung ist trotz der Wolken am Himmel prächtig. Und schon geht es mit vereinten Kräften an die Arbeit, um das von Riesen zerstörte "Wombelhausen am Wurzelbach" (wieder) aufzubauen. So schnell, wie sich ein Erwachsener kaum umgedreht hat, werden also aus ganz normalen Steinener Kindern Wombels. Das sind kleine Wesen, die – wie die extra zum diesjährigen Spieldorf geschriebene Sage wissen will – einst entlang des Bachlaufs gelebt haben, der heute Höllbach und damals Wurzelbach hieß. Und denen doofe Riesen dummerweise die Hütten kaputt getrampelt haben. Also müssen die Gebäude wieder aufgebaut werden.
In den kommenden Tagen gilt es für Kinder und erwachsene Helfer, für große und kleine Mädchen und Jungen die Sägen zu schwingen, Nägel in dicke Bretter zu jagen und Wombelhausen mit seiner Bäckerei, dem Rathaus, der Werkstatt der WombelBank und der Post auferstehen zu lassen.
Auch im 19. Spieldorf-Jahr sind Jugendpfleger Helmut Kolibaba und seinem Team weder die Ideen noch der Spaß an diesem sommerlichen Outdoor-Paradies für Kinder ausgegangen. Kolibaba packt die Gitarre weg und freut sich, dass sich anno 2010 mit 170 Kindern eine ganz beträchtliche Wombelzahl am Höllbach eingefunden hat. Das hätten sogar gerne noch zehn mehr sein dürften, aber, so Kilobaba : "Da kommt jeden Tag noch jemand Neues". Natürlich ist Kolibaba froh, dass im Hintergrund auch wieder alle mitgespielt haben: Zum Beispiel die Familien Bechtel und Lais, die das tolle Grundstück am Bach erneut zur Verfügung gestellt haben. Vom Turngau Hüsingen und zahlreichen Privatleuten stammen die Zelte, diverse Firmen habenmit Spenden dafür gesorgt, dass die Teilnahmegebühr für das 14-tägige Wombel-Abenteuer eine erträgliche Grenze nicht überschreitet.
Schon kurz nach dem Einsingen geht es rund auf dem Areal. Da werden Nägel in Wände gehämmert, sägen zwei Mädchen rohe Fichtenbretter zu recht, schneidet Sascha Kränzlin, einer der 18 Betreuer, mit der Motorsäge den Eingang der künftigen Post aus. Bretter und halbfertige Hütten werden durch die Gegend getragen. Die Kinder werden bei allen notwendigen Handgriffen tatkräftig einbezogen, das junge Helfer-Team kann und will nicht alles alleine machen. Und beim gemeinsamen Arbeiten sollen sich zugleich auch die Gruppen finden.
Die Kinder begreifen schnell, wie die dicken Nägel am besten ins Holz getrieben werden können. Und immer wieder geben die Betreuer hilfreiche Impulse."Ich brauche ein paar Freiwillige um einen Tisch oder ’ne Bank zu bauen", ruft Betreuer Marco Tortomasi, ein breitschultriger junger Mann, quer über den Platz. Sofort heben sich die Hände, zumal die Mädchen sind mit Begeisterung dabei, ihr handwerkliches Geschick unter Beweis zu stellen.Manche Ältere probieren sich schon mal als künftige Spieldorf-Betreuerin: "Du darfst nicht über die rotweiße Absperrung gehen. Und dein Handy musst du auch zu Hause lassen". Bei der künftigen Werkstatt, erklären Lena und Jessica (beide zehn Jahre alt) dem neunjährigen Leo die Regeln des Spieldorfs. Die Mädels mögen ja aus Sicht des Jungen deutlich älter sein. Und sie waren auch – anders als Leo – von Anfang dabei. Dem jungen Mann mag die Einweisung natürlich trotzdem nicht recht gefallen.Bei der künftigen Wombel-Post, von der an diesem Vormittag erst der Rahmen steht, rümpft Silke Bechtel die Nase. "Das ist alles noch ein wenig instabil" sagt die 22-Jährige mit dem wilden roten Haarschopf zu der ihr anvertrauten Kindergruppe. Die Kids nicken selbstkritisch, sind bereit zum Nachbessern. Nebenan bei der Wombel-Bank sieht schließlich alles schon deutlich standfester aus.
Silke Bechtels Eltern stellen seit Jahren die abgemähte Wiese zur Verfügung, auf denen in den vergangenen Jahren schon mittelalterliche Dörfer, eine Westernstadt und vieles mehr erstanden sind. Und so wuchs sie quasi ganz natürlich selbst in das Spieldorf hinein. Ein paar tolle Kinderjahre war sie "Bewohnerin", in diesem Jahr ist sie Betreuerin und hat mächtig Freude dabei. "Mir macht das einfach Spaß mit den Kindern", sagt Bechtel.
Noch bis 13. August werden die Wombels jetzt am Höllbach leben und Spaß haben. Nach der Aufbauphase in dieser Woche, folgt kommende Woche das Leben in Wombelhausen mit zahlreichen Aktionen. Am späten Nachmittag geht es jeweils wieder nach Hause. Einmal aber wird am Höllbach, pardon Wurzelbach auch übernachtet. Dass das Wetter seit den heißen Juli-Tagen ein wenig unbeständiger geworden ist, macht Helmut Kolibaba wenig aus: "Wenn es nur ein bisschen Regen gibt, mach t das nichts".
Info: Wer noch mitmachen will ist herzlich eingeladen. Anmeldungen einfach bei Helmut Kolibaba, direkt im Spieldorf
Quelle: Badische Zeitung |