Die Zukunft gehört der Vorbeugung PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 18. November 2010 um 09:11 Uhr

Nur mit Angeboten, die wirken, bevor die Probleme groß sind, lässt sich der Trend steigender Jugendhilfekosten umkehren.

Ferienfreizeiten 

Zumindest eine Ferienfreizeit soll das Kreisjugendreferat im Sommer 2011 anbieten, beschloss der Jugendhilfeausschuss; die Verwaltung wollte beide Freizeiten aussetzen. Foto: Archivfoto: Privat

 

LÖRRACH. Mit dem zweitgrößten Ausgabenblock im Kreishaushalt 2011, der ein Gesamtvolumen von knapp 175 Millionen Euro hat, ist der Lörracher Kreistag am Dienstag in die Ausschussberatungen eingestiegen; große Eingriffe in den Verwaltungsentwurf des Teilhaushaltes 7, Jugend & Familie, nahm der Jugendhilfeausschuss allerdings nicht vor. Eine Debatte lösten lediglich die Ferienfreizeiten des Kreisjugendreferates aus. Um einen namhaften Betrag ging es dabei aber nicht. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, diese Sommerfreizeiten 2011 für ein Jahr auszusetzen und so einen Sparbeitrag von 30 000 Euro für den Haushalt zu erbringen. Es gebe hinreichend Alternativen, der Kreis müsse hier nicht selbst als Anbieter auftreten, begründete Kreissozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella. Bisher wurden zwei Freizeiten, eine für Mädchen, eine für Familien mit jeweils 40 Plätzen, angeboten. Der Sparvorschlag widerspreche den Leitsätzen des Landkreises, wonach er Kinder und Jugendlichen ein vielfältiges Angebot machen will, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt, und gefährde bestehende Strukturen, kritisierte Bernhard Escher (CDU). Der Landkreis dürfe sich nicht aus der Verantwortung ziehen, sonder müsse mit gutem Beispiel für Ehrenamtlich vorangehen. Margarete Kurfeß (Grüne) hingegen sprach sich für eine Pause aus, um das Konzept zu überdenken; Mädchen seien längst auf der Überholspur. Auch Gunter Halter (Freie Wähler) sieht den Markt durch andere ausreichend bedient. Der Verwaltungsvorschlag wurde mit acht zu neun Stimmen knapp angelehnt. Eine deutliche Mehrheit von elf Stimmen gegen zwei Neinstimmen bei zwei Enthaltungen sprach sich für einen Kompromissvorschlag aus, den Günther Endres, Vorsitzender des Kreisjugendrings, gemacht hatte. Demnach wird es 2011 statt bisher zwei wenigstens eine Freizeit geben. Der Sparbeitrag sinkt damit auf 15 000 Euro.

Insgesamt weist der Haushaltsentwurf eine Deckungslücke von 2,7 Millionen Euro auf. Die bisher vorlegten Anträge der Fraktionen zielten primär darauf ab, den Haushalt 2011 auszugleichen, sagte Finanzdezernent Jürgen Kientz. Ziel müsse es aber sein, die strukturellen Probleme anzugehen, zumal Kredite und Rücklagenentnahmen nach dem neuen Haushaltsrecht nicht mehr zum Ausgleich eines Haushaltes beitragen.Der Teilhaushalt Jugend & Familie, mit 23 Millionen Euro Ausgaben der zweitgrößte Kostenblock nach Soziales & Arbeit mit fast 87 Millionen Euro, ist an der Deckungslücke mit 524 000 Euro oder 19 Prozent beteiligt. Dies sei aber eine rein rechnerische Größe, betonte Kientz. Eine Sparpolitik mit dem Rasenmäher sei nicht sinnvoll. Nicht jeder Teilhaushalt eigne sich gleichermaßen für Sparbeiträge.Zurückzuführen ist die Deckungslücke neben dem Einbruch der Steuerkraftsumme der Gemeinden auf stetig steigende Aufwendungen im Sozialen. So sind beispielsweise allein die Hilfen zur Erziehung von 2006 bis 2009 um jeweils fast 50 Prozent gestiegen. Der Landkreis setzt vor allem auf vorbeugende Angebote, die die Familie frühzeitig erreichen und langfristige kostenintensive Hilfen wie die stationäre Heimunterbringung vermeiden helfen. "Das ist der einzige Weg, um den Trend stetig steigender Ausgaben umzukehren", befand Kreissozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella.Mit Abstand größter Posten sind die Hilfen für junge Menschen und ihre Familien mit Transferleistungen von mehr als 13 Millionen Euro. Hier fällt auf, dass die Zahl der kostenintensiven Heimunterbringungen markant steigt. Diese Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien zu vermitteln sei nicht möglich, betonte Fachbereichsleiter Udo Wegen. Als einen Weg, der künftig ausgebaut werden sollte, nannte er das betreute Wohnen für Jugendliche, die schon eine gewisse Selbstständigkeit erreicht haben.Überhaupt setzt der Kreis auf die Wirksamkeit niederschwelliger, ambulanter Angebote, die ansetzen, bevor die Probleme dafür zu schwerwiegend sind, wie etwa Familienhebammen und –paten, das Projekt "Fit für Arbeit" für Schulverweigerer, aber auch die Kindergartenförderprogramm als Anreiz, die Ganztagesbetreuung auszubauen, die Fachberatung für Kindertageseinrichtungen und die Förderung der Tagesmüttervereine. 

Quelle: Badische Zeitung

 

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